Neu: Unsere Regency-Escape-Romane

Verwicklungen, Klatsch, Skandale und süße Geheimnisse …

Du liebst die Irrungen und Wirrungen der feinen englischen Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts? Dann sind diese romantische Rätselabenteuer die perfekte Herausforderung für dich! Die zauberhaften Bilder und Collagen von Illustratorin Toni Hamm lassen das unverwechselbare Flair der Jane-Austen-Zeit lebendig werden. Erlebe hautnah die Leidenschaften und Intrigen der Londoner High Society mit.

Knobeln und Herzklopfen kombiniert 

Erfolgreiches Format Escape übertragen auf Romance: Die Bücher mit Seiten zum Aufschneiden sind eine packende Mischung aus Spannung und Liebesroman – ideal auch für Paare oder einen Spieleabend mit Freund:innen. Nur wer mit den Hauptfiguren miträtselt, erfährt, welche Seite als nächste zu öffnen ist und wie die Geschichte weitergeht.

Lösungshilfen

Solltest du beim Lösen der Rätsel einmal nicht weiterkommen, findest du auf unserer Hilfeseite wichtige Hinweise und Tipps.

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Die Autorinnen:

Die Illustratorin und der Grafiker:

Interview mit Autorin Stefanie Neeb

Du hast schon einige Romane geschrieben, aber das ist dein erster Escape-Roman. Hat sich das anders angefühlt/bist du da anders rangegangen? 

Also erst einmal war es für mich einfach ein großer Spaß. Und ja, einen Escape Roman zu schreiben, ist wirklich etwas anderes. Zu Beginn vielleicht nicht, denn am Anfang braucht es ja genau so eine Geschichte, die ich erzählen will. Denn natürlich geht es in einem Escape-Buch ums Rätseln, aber eben nicht nur. Ich habe für den „Duke“ also eine Storyline entworfen, so wie ich es für einen Roman ebenfalls mache. Ich habe mir jeden einzelnen Charakter vorgenommen und mich dabei natürlich die ganze Zeit über gefragt: Wer veranstaltete hier eine solche knifflige Schnitzeljagd. Und vor allem: warum??? Als das klar war, habe ich mich an die Rätsel gesetzt. Und dabei standen einige Fragen an: 

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Welche Rätsel-Formen kann ich verwenden? Ein Buch ist da ja wesentlich begrenzter als ein Escape-Spiel oder gar ein Exit-Room. Wie kann ich die Rätsel in die Geschichte einflechten?  Mir war es unheimlich wichtig, die Rätsel und die Geschichte ganz eng miteinander zu verbinden. Welche Räumlichkeiten habe ich zur Verfügung?  Ein Schloss bietet da ja einige ... Tja und dann? Kam die Herausforderung schlechthin. Denn ich habe ja so verdammt wenig Platz, um die Geschichte zu erzählen. Da wurde geschrieben, gekürzt, umgestellt ...  und um jede Zeile gekämpft. 

Wenn du einen Tag im London der Regency-Ära verbringen könntest – was würdest du machen? 

Ich würde wahnsinnig gern an einem Frühlingsball von Lady Rutherford teilnehmen!

Kannst du uns deinen Lieblingscharakter verraten, ohne zu spoilern? 

Das ist echt schwierig. Die meiste Zeit habe ich natürlich mit Charlet und Jasper verbracht und die sind schon echt süß zusammen.  Amelia finde ich klasse. Oder die alte Dame Mrs Fetherston. Ach eigentlich alle. Bis auf eine!  

Hast du ein Lieblingsrätsel? 

Ich selbst mag unheimlich gern Logicals. Hier im Buch ist es das Pferde-Box-Rätsel. Selbst eines zu entwerfen, ist allerdings nicht ohne! Da habe ich wirklich sehr lange daran gesessen. Denn es soll ja nicht nur hinterher aufgehen, sondern darf auch nicht zu leicht sein. Am kniffligsten könnte das Champagner-Glas-Rätsel sein.  Oder das, zu dem der Zeitungsartikel gehört? Lasst es mich gerne wissen. 

Hast du einen Tipp für uns, wenn man beim Rätseln nicht weiterkommt? 

Schaut euch unbedingt die Tipps auf der Webseite an. Ich weiß, man will das gern ohne schaffen. Aber bevor ihr euch abmüht und an einem Rätsel zu lange rumknabbert, holt euch Hilfe. Umso schneller geht es dann auch wieder weiter mit der Geschichte. 

Autorin Sophia Farago erklärt die Regency-Zeit

Alle Infos zu der spannenden Epoche

Die politische Zeitpoche entwickelte sich aus einem dramatischen Anlass. 1811 verschlimmerte sich die Stoffwechselkrankheit, an der König George III. litt, immer mehr. Sein Gehirn war angegriffen, die Ärzte sagten, er sei "geistig umnachtet" und könne seine Amtsgeschäfte nicht mehr führen. So wurde sein ältester Sohn, Georg August Friedrich von Hannover, Prince of Wales, zum Prinzregent bestimmt und die Regency-Ära begann ... 

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Der Prinzregent war in seinen Jugendjahren ein hübscher junger Mann, den die Frauen bewundernd Prince Florizel nannten. Er war ein großer Bewunderer der Architektur und ließ Paläste bauen, für die ihm die heutigen Tourismusverantwortlichen eigentlich höchst dankbar sein müssten. Den ersten Palast, das Carlton House in London, ließ er allerdings bereits zu seinen Lebzeiten wieder abreißen. Der Royal Pavilion in Brighton, dem beliebtesten Badeort der damaligen Zeit, ist ein originelles Wunderwerk in einem exotischen Stilmix aus indischen und chinesischen Elementen. Er erwarb Buckingham Palace für die Krone und gab ihm und Windsor Castle sein heutiges Aussehen. Georg war ein ebenso leidenschaftlicher Kunstkenner, wie Kunstsammler. Doch im Laufe der Jahre wurde er vor allem für seine Launen, seine Genusssucht und Völlerei bekannt. Seine Einladungen waren legendär, gab es doch bei den Banketten bis zu 112 verschiedene Gänge. Dies alles verschlang viel Geld. Mehr Geld, als der Prinz besaß.

Der Skandalprinz und sein Liebesleben

Bereits vor seiner Regentschaft musste er immer wieder bei seinem Vater, dem beim Volk beliebten und, aufgrund seiner Vorliebe für Gartenarbeit, Farmer George genannten George III. und beim Parlament um Aufstockung seiner Apanage bitten. Als ihm 1795 wieder einmal das Geld ausging, setzten ihn Vater und Parlament unter Druck. Er erklärte sich aus Gründen der Staatsräson bereit, um die Hand von Caroline von Braunschweig anzuhalten, einer Frau, die er vom ersten Augenblick an abgrundtief hassen sollte. Daneben hatte Georg zahlreiche Liebschaften. Allen voran ist die Katholikin Maria Fitzherbert zu nennen, die er vor Caroline in einer geheimen Zeremonie geheiratet hatte. Und das, obwohl ein Thronfolger ohne die Zustimmung des Königs niemals heiraten durfte, und das Bekanntwerden einer Heirat mit einer Katholikin den Thronverlust bedeutet hätte. 

Alltag der adeligen Gesellschaft

Für die vornehmen Familien der adeligen Gesellschaft war die Regency-Zeit eine lebhafte Epoche. Während der sogenannten Saison in London, die vom frühen Frühjahr bis in den Sommer hineinreichte, vergnügten sich ihre Mitglieder bei Picknicks, Bällen, Konzerten, Theateraufführungen, Ausritten im Hyde Park und privaten Soireen. Sie wetteten auf Pferde und allerlei skurrile Dinge und gewannen oder verloren Geld am Spieltisch. Die Gentlemen besuchten ihre Clubs, zeigten stolz ihre emaillierten Schnupftabakdosen, trugen Windstoßfrisuren und knüpften ihre Halstücher unter Hemdkrägen, die so hoch waren, dass sie den Kopf kaum drehen konnten. Nach Beleidigungen traf man sich im Morgengrauen zu damals eigentlich schon verbotenen Duellen, um die Ehre wiederherzustellen. Man ritt oder kutschierte und besonders Sportliche trafen sich in Gentleman Jackson’s Boxclub. Den Rest des Jahres kümmerte sich ein Gentleman um seinen Stammsitz auf dem Lande und lud im Herbst zur Jagd. Wer nicht der älteste Sohn und damit Erbe von Titel und Landbesitz war, für den gab es im Großen und Ganzen nur drei Möglichkeiten: Er kaufte sich ein Offizierspatent, ging zur Marine oder wurde Pfarrer. 

Der heiß umkämpfte Heiratsmarkt

Mütter von weiblichem Nachwuchs hatten nur ein Ziel, nämlich die Tochter bestmöglich unter die Haube zu bringen. Da Frauen im Regelfall nicht erben konnten, sicherte eine vorteilhafte Vermählung nicht nur die Zukunft der Braut ab, sondern nach dem Tod des Vaters auch die der Mutter und der unverheirateten Schwestern. Um die Chancen auf einen Gatten zu erhöhen, hatten adelige junge Damen hübsch auszusehen, mussten ein Instrument spielen oder zumindest singen können, anmutig plaudern und tanzen, die besten Manieren aufweisen und durften sich nur in Begleitung einer Anstandsdame aus dem Haus begeben. Bildung wurde in diesem Zusammenhang als eher hinderlich erachtet. Welcher Mann von Welt wollte schon eine kluge Frau?! 

Sobald eine junge Lady debütierte, also ihre erste Saison in London absolvierte, hatte sie sich nach einem Mann umzusehen. Es war lebenswichtig, Karten zum – auch als Heiratsmarkt bekannten – Almack’s Club zu bekommen, über den eine Gruppe Damen der ersten Gesellschaft, die Patronessen, wachte, und mit strengem Blick auf Moral, Stand und Anstand achtete. So durfte sich ein Mädchen nur dann zum frivolen, modernen Tanz namens Walzer führen lassen, wenn sie die Erlaubnis von zumindest einer der Patronessen erhalten hatte. 

Die Regency-Zeit im historischen Kontext

Historisch gesehen war die Regency-Zeit aber auch die Zeit der Kriege gegen Napoleon, die Zeit des Wiener Kongresses und der Schlacht von Waterloo im Juni 1815. Durch die industrielle Revolution waren viele Menschen gezwungen, sich Arbeit in den Städten, allen voran London, zu suchen. Verwundete Soldaten kamen von den Schlachtfeldern zurück und hatten weder Einkommen, noch irgendeine Unterstützung. Die Armut war groß, die Kriminalitätsrate stieg rasch an. Kein Wunder, dass das Volk keinerlei Verständnis für die Verschwendungssucht des Prinzregenten und späteren Königs George IV. hatte. Maschinen, vor allem Webstühle, wurden erstmals mit Dampf betrieben und neue Werkstoffe wie Gusseisen hergestellt, die im Bauhandwerk Neuerungen brachten, die bis dahin unmöglich erschienen waren. 

Das Ende der Epoche

1820 starb König George III., und damit endete, streng genommen, auch die Regency-Ära. 1821 wurde der Prinzregent in einer pompösen Zeremonie zum König George IV. gekrönt. Er war damals schon Ende fünfzig, fettleibig und kränklich und hatte vergeblich versucht, sich von Caroline scheiden zu lassen. Das machte ihn beim Volk nicht eben beliebter, bot aber den Karikaturisten der Zeit jede Menge Stoff für böse Zeichnungen. George IV. starb 1830 und wurde als erster der englischen Könige und Königinnen nicht mehr in Westminster Abbey, sondern in St. George's Chapel in Windsor beigesetzt. 

Sandwich-Rezepte zur Tea Time

Die historische Londoner High Society hautnah erleben! Wie wäre es mit einem britischen Afternoon Tea? Hier findest du Rezepte für Sandwiches und Kuchen.

Autorin Sophia Farago lädt zum Afternoon Tea 

Es ist später Nachmittag, hochverehrte Ladys und Gentlemen, Zeit für Tee und eine silberne Etagere mit den verschiedensten Köstlichkeiten!  
Darüber, wie man den Tee am besten eingießt, haben wir uns schon im Buch unterhalten. Dort habe ich Ihnen auch mein Lieblingsrezept für Mini-Scones verraten. Doch Scones sind nicht das Einzige, was zur Teezeit serviert wird. Allem voran wollen wir uns den Sandwiches widmen.  
Haben Sie gewusst, dass diese Art von belegten Broten nach dem vierten Earl of Sandwich benannt wurde, der im 18. Jahrhundert lebte? Angeblich ließ er sich diese servieren, damit er seine Partien des Kartenspiels Cribbage nicht unterbrechen musste und trotzdem saubere Finger behielt. Damit ein Sandwich diese Bezeichnung tragen darf, ist es übrigens egal, ob das Brot in Streifen, Quadrate oder Dreiecke geschnitten wird. Am besten nimmt man Toastbrot (weiß oder braun), und wer es ganz edel möchte, schneidet die Rinde weg. Mir persönlich erscheint das allerdings eine arge Verschwendung zu sein. 

Für je 4 Sandwiches brauchen Sie jeweils 8 Scheiben Toastbrot und (nach Möglichkeit) gesalzene Butter. 

Der Klassiker: Gurkensandwich
  • ½ Gurke, geschält und in feine Scheiben geschnitten 
  • Salz und Pfeffer 
  • 1 TL Zitronensaft 

Ein paar Gurkenscheiben zum Garnieren zur Seite legen, den Rest mit Salz, Pfeffer und Zitrone würzen, auf 4 gebutterte Toastscheiben verteilen, die restlichen 4 Scheiben als Deckel darauflegen und garnieren. Vielleicht gelingt es Ihnen ja sogar, die oberen Gurkenscheiben kunstvoll einzudrehen? 

Klassiker Nr. 2: Eier-Mayonnaise-Sandwich
  • 3 hart gekochte Eier 
  • Salz und Pfeffer 
  • 2 EL Mayonnaise 
  • eventuell etwas Senf 
  • 1 kleine Schachtel Kresse 

Gekochte Eier mit der Gabel fein zerdrücken, mit Salz, Pfeffer, Mayonnaise und, wenn man will, etwas Senf vermischen, auf gebutterten Toast streichen, mit Kresse bestreuen und Deckel drauf. 

Die luxuriöse Variante: Räucherlachs- Sandwich
  • circa 300 g Räucherlachs 
  • 4 EL Frischkäse, Doppelrahmstufe 
  • 1 TL Zitronensaft 
  • etwas frisch gemahlener schwarzer Pfeffer 

Gebuttertes Brot mit Lachs belegen, Frischkäse draufstreichen, einen Spritzer Zitronensaft und etwas schwarzen Pfeffer drüber, Deckel drauf. Fertig. 

Das Ausgefallene: Dattel-Sandwich
  • 180 g Frischkäse, Doppelrahmstufe 
  • 80 g entkernte, getrocknete, saftige Datteln 
  • gemahlener Zimt 

Gebutterte Vollkorntoastscheiben mit Frischkäse bestreichen, mit gehackten Datteln belegen und mit Zimt bestreuen, bevor der Deckel draufkommt. 

Traditionell englischer Zitronenkuchen

Natürlich darf auch Süßes nicht fehlen. Wie wäre es neben den Scones, die unbedingt dazugehören, mit folgender Leckerei?

Man braucht eine mittelgroße, gefettete Kastenform und ein auf 170 °C vorgeheiztes Backrohr sowie: 

  • 3 Bio-Zitronen 
  • 100 g weiche, ungesalzene Butter 
  • 160 g + 3 EL (für die Glasur) Zucker 
  • 2 Eier 
  • 175 g gesiebtes Mehl 
  • 90 ml zimmerwarme Milch 

Von zwei Zitronen die Schale abreiben, alle Zitronen auspressen. Für die Glasur: Den Zitronensaft mit 3 EL Zucker verrühren und an einen warmen Platz stellen, damit alles weiß und dickflüssig wird. 

Butter und den restlichen Zucker cremig schlagen, dann die Eier einzeln dazugeben und schlagen. Die geriebene Zitronenschale und das Mehl zufügen und weiterschlagen. Milch dazu und weiterschlagen. Den Teig in die Kastenform füllen und in den vorgeheizten Ofen schieben. Backzeit: 1 Stunde.

Aus dem Backrohr nehmen, an ein paar Stellen einstechen und mit der Glasur bestreichen. Während der Kuchen abkühlt, dringt die Glasur ein und alles schmeckt dann so richtig schön zitronig.


Epilog

Charlets und Jaspers geheime Helferinnen 

So ein aufwendiges Versteckspiel lässt sich natürlich nicht allein planen, und so hat Lady Rutherford sich ein paar geheime Helferinnen für ihr Rätselabenteuer gesucht. Sie ist schließlich nicht die einzige, der die Vereinigung von Charlet und Jasper am Herzen liegt.

Habt ihr herausgefunden, wer alles eingeweiht und an dem ausgeklügelten Plan beteiligt war? Hier erzählen alle Beteiligten, wie und warum sie sich für Charlets und Jaspers Liebe eingesetzt haben: 

Lady Debra Rutherford (Darlene)

Mit einer Lüge leben zu müssen, bedeutet, nie wirklich frei zu sein. Selbst dann nicht, wenn diese Lüge eine auferzwungene ist. 

 

Ich war als Hebamme dabei, als Jasper und Arthur auf die Welt kamen.  

Ich war dabei, als man sich entschied, den Älteren zum Jüngeren zu machen.  

Doch ich war nicht mehr dabei, als diese unheilvolle Lüge der Welt verkündet wurde. Denn aus Sorge, mein Wissen um die Wahrheit könnte mir gefährlich werden, floh ich noch in der selbigen Nacht mit der Geburtsurkunde nach London.  

Dort nahm mich dankenswerterweise eine Freundin meiner Großtante bei sich auf: Lady Jane Morgan. Sie machte sich nicht viel aus Etikette und Standesdünkel. Im Gegenteil, sie war ein Freigeist und in der Londoner Kunstszene äußerst bekannt und geschätzt.  

Mit den Jahren übertrug sich ihre Liebe zur Kunst auf mich, und so führte sie mich als ihre Nichte unter dem Namen Debra Morgan in die Kreise der Maler und Bildhauer ein.  

Auf einer Ausstellung dann lernte ich Lord Rutherford kennen, und da wir uns von Anbeginn sehr zugetan waren, nahm er mich als seine Verlobte mit nach Sunset House.  

Leider blieben uns eigene Kinder verwehrt, und so entschieden wir gemeinsam, die Türen unseres Anwesens in den Sommermonaten zu öffnen, um das doch sehr stille Sunset House mit Leben zu füllen. Und Sie können sich meinen Schrecken nicht vorstellen, als Lord Rutherford darauf bestand, auch die Familie Godwins einzuladen, hatte ich doch aus gutem Grunde die Nähe zu dieser Familie bislang gemieden. 

Doch welches Argument hätte ich vorbringen sollen, ausgerechnet die Godwins auszuschließen?  

Am Tag ihrer Anreise war ich unsagbar nervös, zum Glück aber erkannte weder der Duke noch die Duchess hinter der neuen Gemahlin des ehrenwerten Lords ihre frühere Hebamme Darlene wieder. Dafür aber erkannte ich etwas, und das bereits sehr früh: die enge Verbindung zwischen Charlet und Jasper. Es war mir immer ein großes Vergnügen, die beiden Wildfänge zu beobachten, wie sie sich stritten, nur um sich sogleich wieder zu versöhnen.  

Umso schockierter war ich dann, als zu Beginn dieses Jahres hinter vorgehaltener Hand über eine mögliche Verbindung zwischen Charlet und Arthur getuschelt wurde.  

Ich konnte dies nicht zulassen, insbesondere da ich über die Tragik, die hinter Charlets Entscheidung lauerte, Bescheid wusste, denn in einem schwachen Moment vertraute sich Elisabeth Sanderson mir gegenüber an. Und so wusste ich, dass ich handeln musste. 

Meine Freude darüber, dass Sinn und Zweck meines kleinen Rätselspiels nun tatsächlich aufgegangen sind, könnte nicht größer sein. Jasper, dessen bin ich mir gewiss, wird einen hervorragenden Duke abgegeben – mit Herz und Verstand, und mit liebevoller Unterstützung von einer wundervollen Frau an seiner Seite: Charlet Sanderson. 

Lady Fetherston

Ach, wissen Sie, mein Mann, Gott habe ihn selig, ist ja schon vor langer Zeit verstorben. Und doch sind die Erinnerungen an ihn nie verblasst. Im Gegenteil, sie halten mich aufrecht. Noch heute. 

Und auch wenn ich bereits ein wenig wirr im Kopf bin, eines weiß ich ganz genau: Mit der Liebe ist nicht zu spielen.   

Und wenn ich dann gefragt werde, ob ich bereit bin, der ach so zauberhaften Charlet zu helfen, ihr Glück zu finden, was gibt es da zu zögern?  

Natürlich sagte ich unverzüglich zu. 

Mein Einsatz war ja nun auch wahrlich nicht sonderlich schwierig. Auf einer Parkbank zu sitzen und auf Charlet zu warten, nun ja, das kam mir sogar entgegen, sind diese Art von Veranstaltungen für mich doch mittlerweile sehr kräftezehrend. 

Viel schwieriger fiel es mir, laut schimpfend meine Runde zu drehen, um Charlet die Möglichkeit zu geben, auf des Rätsels Lösung zu kommen. Und dabei nicht gar auch noch zu lächeln, sah sie doch so süß aus. So konzentriert. Und gab sich solche Mühe, sich nichts anmerken zu lassen.  

Aus Sorge, ich könnte mich durch ein Schmunzeln nur verraten und damit Lady Rutherfords Pläne zerstören, schlug mein Herz so schnell, dass ich Mühe hatte es wieder einzufangen. Zwei Cognacs haben mir letztendlich geholfen. Und die Gewissheit, dass Charlet in Jasper ihr Glück gefunden hat. 

Darauf sollten wir unbedingt noch einmal anstoßen, meinen Sie nicht? 

Ich hole mir nur schnell mein Glas.  

... aber, wo habe ich es denn abgestellt? 

Amelia Cavanaugh

Darf ich ehrlich zu Ihnen sein?  

Als ich hörte, dass Charlet sich mit Arthur verloben würde, hätte ich meiner besten Freundin nur zu gern die Augen ausgekratzt. Also ... natürlich nicht wirklich. Dazu liebe ich sie viel zu sehr. 

Und doch war ich unendlich betrübt. Denn ja, ich gebe es zu, ich mag diesen so verschlossenen, nach außen unnahbar wirkenden Mann. Sie werden mich jetzt sicherlich dafür verurteilen, haben Sie ihn doch gerade erst als Widerling kennen gelernt. Nur habe ich ihn auch schon anders erleben dürfen ... 

Es würde jetzt zu weit führen, dies genauer zu erläutern. Doch vielleicht eins nur: Ich glaube fest daran, dass in jedem noch so schwierigen Charakter irgendwo ein guter Kern steckt – zugegebenermaßen oftmals tief verborgen. Und Arthur hat es in seiner Familie undenkbar schwer gehabt. Aber ... ich schweife schon wieder ab. 

Denn was ich eigentlich erzählen wollte, ist, dass Lady Rutherford zwar den Plan ausheckte, ich aber für die Umsetzung zuständig war. Nicht nur aus Eigennutz, versteht sich. Denn mir war bewusst, dass Charlet, würde sie Arthur heiraten, niemals über die verlorene Liebe zu Jasper hinwegkommen würde. Daher fuhr ich mit meiner Kutsche, auf Lady Rutherfords Bitte hin, in den Park, genauer genommen in den Teil des Parkes, der sich nicht gerade für eine junge Dame schickt, doch unser erstes konspiratives Zusammentreffen sollte möglichst im Verborgenen stattfinden. Dort offenbarte mir Lady Rutherford ihre Herkunft, erzählte von der unsäglichen Intrige, die um die Geburt der Zwillinge gesponnen worden war, und verriet mir ihren Plan. 

Dass ich sofort einwilligte, ihr zu helfen, können Sie sich sicherlich denken.  

Dass mir aber auf dem Rückweg dann ein Rad brach und mir dann auch noch ausgerechnet Jasper über den Weg lief – beziehungsweise über den Weg fuhr – war natürlich ein mehr als dummer Zufall. Doch wir hatten ja beide etwas von dem Versprechen, das ich ihm geben musste, diesen Vorfall für mich zu behalten. 

 

Nun, was soll ich jetzt noch sagen? Sie waren ja dabei, als die Dinge heute ihren Lauf nahmen. Arthur die Limonade über seine Kleidung zu schütten, war sicherlich keine Glanzleistung von mir, wenn man bedenkt, wie überaus erzürnt er jetzt über mich sein muss, doch mein Auftrag lautete klar und eindeutig: Halte ihn von Charlet fern. Und was blieb mir da anderes übrig? 

Möglicherweise wird er mir das nie verzeihen. Doch Charlets Glück, das Strahlen in ihren Augen vorhin, als Jasper um ihre Hand bat – das war all dies wert. 

Die Köchin Mary

Ich hab gar nicht viel zu sagen, denn als Dienstmagd steht es mir nicht zu, über die feine Gesellschaft zu urteilen.  

Doch Kummer schlägt oftmals auf den Magen, und wenn jemand dann nichts mehr isst, sehe ich Handlungsbedarf. Bei Charlet musste ich davon ausgehen, dass sie litt, bot ihr Zustand in den letzten Wochen doch einen zunehmend besorgniserregenden Anblick. Sie war immer so ein ausgesprochen hübsches und anmutiges Persönchen, nun aber schien es mir, als würde sie beinahe aus ihren Kleidern herauszufallen drohen.  

Und so stand ich natürlich sofort bereit, als Lady Rutherford mir von ihrem Plan erzählte.  

Wissen Sie, die Liebe ist ein merkwürdiges Ding. Aus Liebe geschehen die schönsten, aber auch die schlimmsten Dinge. 

Unzählige Male habe ich die Liebe kommen und gehen sehen. Bei Charlet und Jasper hoffe und bete ich, dass sie ihnen erhalten bleibt. Denn die beiden gehören, und da können Sie dem Herz einer alten, aber durchaus weisen Köchin Glauben schenken, zu den Guten.  

Von denen es unter den feinen Herrschaften ja nicht gerade wimmelt.  

Catherine Sanderson

Frag mal Charlet, die wird es wissen.  Sieh doch, wie Charlet es macht und schau es dir ab.  Wenn es jemand schafft, dann Charlet! 

Mir ist es nicht möglich, zu zählen, wie oft mir in meinem Leben Charlet bereits als Vorbild angepriesen wurde. Zu Recht, sicher! Denn sie ist großartig. 

Und ich?  

Nun ja, ich ... ich habe in unserer Familie eher die Rolle der künstlerisch begabten, liebenswürdigen Trottel-Liese. Wobei ich hier anmerken möchte, dass das kleine Missgeschick mit meiner Hochsteckfrisur und der Kommode diesmal aus voller Absicht geschah. Denn es galt, Zeit zu schinden, um unseren Plan gelingen zu lassen.  

Und dass er gelang, war mir eine Herzensangelegenheit. 

Denn zusehen zu müssen, wie Charlets inneres Leuchten mit jedem Tag, der verstrich, mehr und mehr verglomm, war für mich unerträglich. Ich wusste um ihre Liebe zu Jasper, und natürlich ahnte ich, was sie dazu gebracht hatte, diese Liebe aufzugeben und sich mit Arthur zu verloben. Meine Eltern, tief verstrickt in ihre Ängste und Sorgen um das Wohl unserer Familie, ließen sich von Charlets nach außen hin gespielter Freude blenden. Ich jedoch nicht. Hörte ich doch jede Nacht ihr Schluchzen, für das sie mit der Zeit immer schlechtere Ausreden bereithielt. 

Und so benötigte ich nicht mal eine Sekunde für meine Antwort auf Lady Rutherfords Frage am gestrigen Abend, ob ich mich an ihrem ausgeklügelten Plan beteiligen wollte.  

Charlet und Jasper. Für mich sind die beiden ein traumhaftes Paar. Eines, das mir immer vor Augen hält, dass es die wahre Liebe wirklich gibt. Und dass es sich lohnt, um sie zu kämpfen.