Situation: Laura (2,3 J.) blättert in ihrem neuen Bilderbuch. Plötzlich entdeckt sie einen Elefanten und sagt: Kind: Da Want! (Elefant) Mutter: Oh, ja, ein Elefant und da ist noch einer, schau! Kind: Elwant britzt (spritzt), … Wasser britzt. Mutter: Stimmt, der Elefant spritzt Wasser, ganz viel Wasser … und das macht er mit dem Rüssel.
Damit die Informationsweitergabe gelingt, muss Sprache in ihren bestimmten akustischen, optischen und anderen Ausdrucksformen vom Kind wahrnehmungsmäßig erfasst werden können. Nach Breuer/Weuffen[1] sind fünf Sprachwahrnehmungsleistungen zu unterscheiden, deren Entwicklung als Voraussetzung für den Prozess des Sprechens sowie des Lesens- und Schreibenlernens von entscheidender Bedeutung sind. · die Fähigkeit zur optisch-graphomotorischen Differenzierung · die Fähigkeit zur phonematisch (das Hören betreffend)-akustischen Differenzierung · die Fähigkeit zur artikulatorischen Differenzierung · die Fähigkeit zur melodischen Differenzierung · die Fähigkeit zur rhythmischen Differenzierung
Ich beziehe mich hier und im Folgenden auf die phonematisch-artikulatorische Differenzierungsfähigkeit. Wörter bestehen aus wechselnden Lautfolgen, die sich entsprechend ihrer Gliederung/Betonung beim Sprechen als rhythmisch-melodische Höreinheiten darstellen. Die Entwicklung des Sprachgehörs beim Kind verläuft in den ersten Lebensjahren in enger Verbindung mit dem nachahmenden Artikulieren. Der Erwachsene dient dabei als Sprachvorbild, das Hilfen und Korrekturen gibt. Über diesen Sprachaneignungsprozess – von Hören – Sprechen – korrigiertem Sprechen als schrittweise Übernahme des richtigen Wortklangbildes - verfeinert sich auch das Hörvermögen ständig, so dass Wörter aufgrund des gespeicherten Wortklangschemas zunehmend sicherer verstanden, d.h. mit bestimmten Dingen, die sie bezeichnen in Verbindung gebracht werden können. Kinder mit einem reichen Wortschatz besitzen fast immer eine gute phonematische Differenzierungsfähigkeit. Sie könnten sonst aus der Fülle der gelernten Wörter kaum die beim Sprechen erforderliche Auswahl des richtigen Wortes treffen. Beim Lesenlernen, also beim Umgang des Kindes mit Schriftsprache wird der umgekehrte Weg vollzogen. Hier müssen die abstrakten, graphischen Zeichen (Buchstaben) in ihre Lautform zurück ‚übersetzt’ werden [elefant], dann in eine oder mehrere rhythmische Klanggestalten (Silben) zusammengefasst [E-le-fant] und im Sprechfluss miteinander verbunden werden. Liegen phonematische Unterscheidungsschwächen vor (bspw. bildet das Kind bestimmte Laute undeutlich oder falsch) so gelangt es nicht zu einer eindeutigen Wiedergabe des Wortes. Verstehen wird nicht erreicht. [1] Breuer, Helmut; Maria Weuffen: Lernschwierigkeiten am Schulanfang. Beltz praxis, Weinheim 1993 [2] Ich kann sprechen! Sprachförderung. Verlag arsEdition, München, 2009. o. S. [3] Ebenda zurück