21.07.2009Fit für die Einschulung - Wahrnehmung und Sinne
Für die Entwicklung aller Sinnesbereiche (Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken) sind vielfältige Anregungen und Entdeckungen im Lebensumfeld des Kindes geeignet, die seine willkürliche und unwillkürliche Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit herausfordern.
‚Sehen’ bedeutet dabei: genau Hinschauen, Dinge miteinander vergleichen, Besonderheiten erkennen und beschreiben, Gegenstände trotz ihrer Veränderungen (klein, groß, aus der Vogel- oder Froschperspektive, über ihre Kontur oder ihr Schattenbild, vor einem farbigen
Hintergrund, als Ausschnitt oder über ein Detail) begrifflich und bedeutungsmäßig identifizieren können u. a. m.
Auch das Hören ist mehr als ein Aufnehmen von Geräuschen und Tönen, denn für das Verstehen von akustischen Signalen und Informationen müssen bestimmte Verarbeitungs-prozesse im Gehirn in Gang gesetzt werden, die es möglich machen, Äußerungen aus unterschiedlicher Entfernung (laut, leise, mit heller oder tiefer Stimme, flüsternd oder von einem Geräuschpegel umgeben …) zu erschließen. Solche Situationen gehören zukünftig zum Erfahrungsalltag Ihres Kindes im Klassenraum, innerhalb derer es Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, Ablenkungen ausblenden sowie sein Richtungshören auf die Lehrerstimme im Raum einstellen muss.
Unter dem Fachbegriff »phonologische Bewusstheit« ist in den letzten Jahren vor allem das Klangbild eines Wortes als Ansatzpunkt für die Verknüpfung von Lauten zu Silben und von Silben zu Wörtern in den Blickpunkt vorschulischen Bildungsinteresses gelangt. Damit folgen Kinder nicht mehr nur der inhaltlichen Bedeutung eines Gegenstandes, sondern sie erkennen, dass Wörter ähnlich oder unterschiedlich klingen können, dass es dafür bestimmte Zeichen - die Buchstaben - gibt und dass diese Buchstaben-Zeichen in einer bestimmen Reihenfolge aneinandergesetzt, Sinn ergeben. Damit ist eine Grunderkenntnis für den Prozess des Lesenlernens erreicht: Ein Wort steht für ein Ding … etwas Abstraktes für etwas Konkretes … Dingwort - so nannte man früher diesen Zusammenhang.
Auch das Tasten ist wie das Riechen und Schmecken ein Differenzieren unterschiedlicher Wahrnehmungserfahrungen: mit der Hand, mit der Nase, mit der Zunge. Je mehr derartige Sinnesreize vom Kind entdeckt, vertieft, erweitert und dabei sprachlich mit Hilfe des Erwachsenen ‚auf den Begriff’ gebracht werden können, umso vielgestaltiger entwickelt sich sein Wissen von den Dingen seiner Lebenswelt. Dieses erfahrungsbezogene, entdeckende Lernen ermöglicht dem Kind, die Dinge bedeutungsmäßig in seinen Wortschatz zu integrieren. Was man auf vielerlei Weise begriffen hat, davon kann man erzählen, das kann man lesend in Vorstellungsbilder ‚übersetzen’ und schreibend zurückholen in eigene Geschichten.
Beobachtungsfragen
Gibt es im Lebensumfeld Ihres Kindes ausreichend Raum für sinnliche Entdeckungen?(situativ, zeitlich, material)
Haben derartige Fundstücke in Ihrer Wohnung einen Ort, wo sie verwahrt, erneut betrachtet und dazu erzählt werden kann?
Wie unterstützen Sie Ihr Kind in seinen Fähigkeiten des »verlangsamten Sehens«, »differenzierenden Hörens« und »haptischen Begreifens«?