Fit für die Einschulung … Wer in den letzten zwölf Monaten sechs Jahre alt geworden ist, weiß: Nur noch wenige Wochen, dann komme ich in die Schule. Erzieherinnen, Eltern und vielleicht auch schulpflichtige Geschwister habe die Schulanfänger schon seit langem auf dieses besondere Ereignis vorbereitet; denn wer in die Schule kommt, darf sich zu den Großen zählen … und das ist eine neue, wichtige Erfahrung.
»Oma, wann bin ich groß?«, fragt denn auch Niko bald sechsjährig und eines jener Buchkinder aus der Reihe Leseabenteuer bei arsEdition. Niko gehört zu den Kleinsten in der Vorschulgruppe und befürchtet plötzlich, aufgrund seiner Körpergröße vielleicht gar nicht eingeschult zu werden. Aber da kann Mama ihn beruhigen. »Auf die Größe kommt es gar nicht an!«, sagt sie entschieden, »sondern … .« Was Mama ihrem Niko dann erklärt, hat mit dem Verständnis von »Schulfähigkeit« zu tun.
Dazu gehören kognitive Leistungen, aber auch motivationale und soziale Voraussetzungen sowie die körperliche Verfassung eines Kindes. Früher glaubte man, dass die »Schulreife« als ein Stadium innerhalb der kindlichen Entwicklung sich von selbst einstellen würde, wenn bestimmte körperliche und geistige Voraussetzungen erreicht seien. Untersuchungsergebnisse widerlegten jedoch diese Auffassung und machten vor allem deutlich, dass Umwelteinflüsse, wie zum Beispiel die Anregungs- und Fördermöglichkeiten in Familie und Kindertageseinrichtungen entscheidende Bedingungen für den Erwerb der kindlichen »Schulfähigkeit« oder »Schulbereitschaft« darstellen.
Hinter beiden Begriffen stehen Verhaltensdispositionen, die sich nicht durch allgemeine Schulreifetests in ihren individuellen Ausprägungen differenziert erfassen lassen. Testverfahren ermitteln immer nur den momentanen Entwicklungsstand; Prognosen über den künftigen Schulerfolg eines Kindes sind auf diesem Wege nicht zu treffen. Ganzheitliche Betrachtungsweisen, bei denen das Kind in seinen alltäglichen Handlungen, Vorlieben und Befindlichkeiten wahrgenommen wird, lassen demgegenüber detaillierte, in sich stimmige Aussagen zu.
Von daher ist den Gesprächen zwischen Erzieherin und Eltern eine enorme Bedeutung beizumessen, weil aus der Professionalität zugleich auch Reflexion und Distanz erwachsen, die Eltern aufgrund ihres emotionalen Eingebundenseins in den Entwicklungsprozess ihres Kindes nicht immer erreichen können. Im gemeinsamen Austausch lassen sich die für das jeweilige Kind wichtigen Verhaltensmerkmale und Lernfelder bestimmen und in ihren Fördermöglichkeiten beschreiben. Wir geben Ihnen in dieser Serie eine Orientierung, gegliedert nach Entwicklungsbereichen, wie die Schulfähigkeit von Kindern richtig eingeschätzt werden kann.