01.03.2010Die Zeitschrift »ELTERN« verrät, wie Kinder das Teilen lernen
Wer hätte das gedacht: Wenn Zwei-, Dreijährige sich beim Spielen streiten, stecken zu 80 Prozent »Besitz-Konflikte« dahinter. So heißt das bei den Entwicklungspsychologen, wenn der eine sich das Holzauto greift, das der andere gerade hingebungsvoll über den Teppich schiebt. Oder wenn kleine Jungs mit Zähnen und Klauen Babypuppen verteidigen, die sie sonst nicht mal anschauen würden. Oder kleine Mädchen Dreirad-Fahrer von ihrem Gefährt schubsen, um selbst eine Runde damit zu drehen. Es ist immer der gleiche Kampf: »Will ich haben!« gegen »Das ist meins!«
Eltern schmerzt es natürlich, wenn sie mitansehen müssen, wie ihr Kind Opfer so einer Attacke wird. Und es ist ihnen peinlich, wenn ihr Schatz selbst Förmchen klaut. Aber zum Glück handelt es sich selten um echte Dramen. In den ersten Lebensjahren können Kinder zwar alles Mögliche. Aber Abgeben und Teilen können sie nicht.
In diesem Alter empfinden Kinder interessante Gegenstände als etwas, das ganz fest zu ihnen gehört. Wer ihnen das Playmo-Auto nimmt, nimmt ihnen ein Stück von sich selbst. Besitz-Verteidigung ist Selbst-Verteidigung.
Wahrscheinlich, sagen die Experten, müssen Kinder durch diese Phase erst mal durch, um so etwas wie soziales Denken zu entwickeln. Wenn Paul und Anna sich wie in unserer Geschichte um Regenbogenpapier streiten, lernen sie schließlich auch, dass andere Menschen die Dinge anders sehen und ganz eigene Wünsche haben - Voraussetzung, um Mitgefühl zu entwickeln und sich in andere hineinversetzen zu können. Das Vorlesen des Bilderbuchs »Das ist meins! Eine Geschichte vom Teilen.« unterstützt den Prozess und zeigt, dass Teilen auch etwas Schönes ist. Die meisten Kinder schaffen das ab dem vierten, fünften Lebensjahr: Im Kindergarten fangen sie an, mit Spielkameraden zu verhandeln, Teams zu bilden, Kompromisse zuschließen. Was wir Eltern dazu beitragen können?
Anfangs in Streitsituationen, möglichst nicht den Richter spielen - sondern den Schlichter, der durch Fragen wie »Was ist eigentlich passiert?« den Konflikt verlangsamt, der Kompromisse nicht vorschreibt, sondern vorschlägt und nur im äußersten Fall entscheidet. Grundsätzlich: Das Eigentum der Kinder respektieren - und zum Beispiel nicht das Schmusetier in die Waschmaschine stecken, ohne sein Kind zu fragen. Immer wieder kleine Tauschgeschäfte vorschlagen: »Krieg ich was von deiner Banane? Dann geb ich dir ein Stück von meinem Apfel!« Und ganz wichtig: Tochter oder Sohn nicht zum Teilen zwingen - denn so zieht man Geizhälse groß. Nur wer freiwillig gibt, teilt leichten Herzens.